VEREINSGESCHICHTE
des SuS 09 e.V. Dinslaken


Die „gewaltige Revolution“    Vom Tatendrang beseelt    Höhen und Tiefen
Drei Türme auf der Brust    Ohne Stoppuhr und Tabellen


Die „gewaltige Revolution“
Am Anfang stand der Fußball. Man schrieb das Jahr 1903, als einige, kaum der Schule entwachsene Jungen, ein „primitives Bewegungsspiel“ übten, das sie in den Nachbarstädten gesehen hatten. Sie waren mit Begeisterung bei der Sache, die darin bestand, hinter etwas Rundem herzujagen und es dann wegzutreten. Der Ball war kein Leder. Es handelte sich bei ihm meist um Eigenfabrikate aus verschiedenen Grundstoffen. Fußballschuhe kannte man damals noch nicht. Es wurde „gekickt“ in Schuhen jedweder Art oder, wie es auf dem Lande üblich war, mit „Klotschen“. Auch die Kluft war nicht einheitlich. Jeder trug, was ihm gefiel. Während man sich im damals noch verträumten Dinslaken „nach Herzenslust, freiwillig, ohne Zwang, ohne Kommando austobte“, so vermerkten die Chronisten, hatte sich der Fußballsport in den Nachbarstädten schon weiter entwickelt, was sowohl die Organisation als auch die Spielanlage betraf. Es war für die Dinslakener Pioniere sehr schwer, gegen auswärtige Vereine zu bestehen. Und da man auch damals schon lieber siegte, als zu verlieren, machte man sich Gedanken, wie das zu ändern sei. Das Ergebnis der Überlegungen war der Zusammenschluss der wilden Clubs zu dem „Dinslakener Spiel-Verein“. Dieser Verein beantragte 1909 die Aufnahme in den Fußball-Verband. Registriert wurde der Verein unter dem Namen „Spiel- und Sportverein 09 e.V. Dinslaken“. Damit war der Weg geebnet für die Teilnahme an Meisterschaftsspielen.

Vom Tatendrang beseelt
genügte den jungen Sportlern der Fußball allein nicht. Von Anfang an wurde auch Leichtathletik betrieben. Bereits ein Jahr nach der Registrierung des Vereins fand in Dinslaken, am alten Feuerwehrturm an der Heinrichstraße, das erste Leichtathletikfest statt. Diese Anlage diente den Fußballern und Leichtathleten bis 1911 als Übungs- und Wettkampfstätte. Vorübergehend nutzte man eine neue, für damalige Verhältnisse „recht ordentliche Anlage“ an der Voerder Straße, bis Anfang der zwanziger Jahre im „Blumenviertel“ an der Hünxer Straße eine überwiegend in Eigenhilfe erstellte Platzanlage für über 20 Jahre die Heimat des SuS 09 Dinslaken wurde. Als 1948, kurz nach der Währungsreform das Gelände an ein Industrieunternehmen verkauft wurde, diente der ehemalige DJK-Platz an der Wiesenstraße den wieder aktiven 09ern und den MTVern bis 1949 als vorübergehende Bleibe. Umkleidemöglichkeiten stellte die Gaststätte Maaß zur Verfügung. Unter der Führung des damaligen 1.Vorsitzenden Karl Steinhoff entstand die so genannte „Steinhoff-Kampfbahn“, die fast genau 30 Jahre unsere Heimat blieb, bis 1978 die Stadt den bestehenden Pachtvertrag kündigte, um auf diesem Gelände ein Seniorenzentrum zu errichten. Der 5.Umzug wurde unumgänglich. Die heutige „Bezirkssportanlage an der Voerder Straße“ wird den vielfältigen Aktivitäten des Vereins gerecht.

Sportlich wechselten sich Höhen und Tiefen ab. Vielen ist sicherlich nicht mehr bekannt, dass der SuS 09 Dinslaken von 1927 bis 1952 eine recht erfolgreiche Handballabteilung besaß. Die sportlichen Höhepunkte erlebte der Handballsport im Verein in den Jahren 1934-1936, als die Mannschaft dreimal hintereinander bis in die Verbandsklasse (vergleichbar mit der heutigen Oberliga) aufstieg. Auch bei den Fußballern wurden diverse Höhenflüge durch Kriegsereignisse immer wieder zunichte gemacht. Nachdem 1916 der Spielbetrieb gänzlich zum Erliegen kam, folgten ab 1918-1922 drei Aufstiege, welche die Mannschaft bis in die Liga, Westdeutschlands höchste Spielklasse, führte. Erst nach einer längeren Durststrecke mit Auf- und Abstiegen schaffte 1953 wieder eine Mannschaft die Gruppen- sowie die Bezirksmeisterschaft und damit den Aufstieg in die höchste Amateurklasse. Zwei Jahre hielt man dieses Niveau, um dann doch eine Abstiegsserie bis in die 2.Kreisklasse nicht verhindern zu können. Erst elf Jahre nach dem letzten Abstieg glückte 1964 der Sprung in die 1.Kreisklasse. Nach sieben Jahren in dieser Klasse erfolgte 1972 der Aufstieg in die Bezirksliga. Danach ging es Schlag auf Schlag. 1975 Aufstieg in die Landesliga, 1978 Abstieg aus der Landesliga, 1979 Wiederaufstieg in die Landesliga, 1981 Abstieg aus der Landesliga. Der SuS 09 wurde zur „Fahrstuhlmannschaft“. Nach wechselvollen Spielzeiten gelang 1990 unter der Leitung von Trainer Hartmut Scholz der Aufstieg in die Verbandsliga. In dieser Liga spielte der SuS 09 in den nächsten Jahren eine gute Rolle. Mit Trainer Günter Tinnefeld gelang dann 1994 der viel umjubelte Aufstieg in die Oberliga. Diese Klasse zu halten bei den bestehenden finanziellen Möglichkeiten, das war allen Beteiligten klar, würde sehr schwer fallen. Der Kraftakt endete 1999. Es war den Verantwortlichen nicht mehr möglich, eine schlagkräftige und finanzierbare Mannschaft aufzubieten. Leistungsträger wurden Jahr für Jahr mit verlockenden Angeboten abgeworben. Mit drei Abstiegen in Folge mussten wir der Entwicklung Tribut zollen. In der Bezirksliga soll jetzt ein behutsamer Neuaufbau erfolgen. Bei diesem Neuaufbau wollen wir auch wieder die Früchte unserer äußerst erfolgreichen Jugendarbeit ernten, am Besten mit dem Aufstieg. In über zwanzig Jugendmannschaften wird der Nachwuchs an unsere Seniorenabteilung herangeführt. Unsere B1 und C1 Mannschaften spielen schon seit Jahren sehr erfolgreich in den jeweiligen Niederrheinligen, und auch die A1 Mannschaft hat den Sprung in die Niederrheinliga geschafft.

Mit den drei Türmen auf der Brust jagen auch die Leichtathleten des SuS 09 seit 1910 sportlichen Erfolgen nach. Einige Leichtathletikfreunde werden sich noch an die gelungene Aufzählung der Erfolge ihrer damaligen Leistungsträger in der Festzeitschrift anlässlich des 75-jährigen Vereinsjubiläums erinnern. Unstreitiger Höhepunkt und größter Erfolg der Leichtathleten in der Vereinsgeschichte war sicherlich 1952 die Teilnahme von Maria Sander Domagala, Günter Hesselmann und Rolf Lamers an den Olympischen Spielen in Helsinki. Es waren die ersten Olympischen Spiele, an denen Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg wieder teilnehmen durfte. Alle drei Dinslakener Leichtathleten machten dann auch in Helsinki von sich reden. Maria Sander Domagala wurde Dritte über 80 Meter Hürden, Fünfte über 100 Meter und Zweite mit der 4 mal 100 Meter Staffel. Günter Hesselmann belegte über 3.000 Meter Hindernis den sechsten Platz. Ebenfalls Sechster wurde Rolf Lamers über 1.500 Meter. Maria Sander Domagala gelang es, sich auch für die Gesamtdeutsche Mannschaft zu den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne zu qualifizieren. Sie gehörte als einzige bundesdeutsche Läuferin zur 4 mal 100-Meter Staffel, die im Zwischenlauf mit 44,9 Sek. den Weltrekord einstellte. Als erste Frau erhielt Maria Sander Domagala den Rudolf-Harbig-Gedächtnis-Preis. Am 1. Januar 1974 trat die Leichtathletikabteilung der LG Dinslaken/Walsum bei. Zum Ende des Jahres 1980 wurde diese LG aufgelöst und die LA-Abteilung des SuS 09 ging wieder unter der Leitung von Johann Schibisch ihre eigenen Wege. Die herausragenden Akteure der 80er und 90er Jahre waren sicherlich Markus Kuhlmann und Christine Adams. Markus Kuhlmann glänzte schon als Schüler mit der Kugel und im Diskuswurf und gehört auch heute noch zu den stärksten Kugelstoßern in Deutschland. Christine Adams sammelte ihre Lorbeeren beim Stabhochsprung. Sie errang mehrfach die Deutsche Meisterschaft und als Krönung die Vizemeisterschaft in Stockholm. Ende 1996 wechselt Christine nach Leverkusen. Annabell Schwendke wurde unter Trainer Johann Schibisch 1994 und 1995 jeweils Deutsche Meisterin im Blockwettkampf und im Siebenkampf. Aus den schon seit langem im Seniorenbereich Aktiven sind noch besonders Ruth Baumann und Paul Jost hervorzuheben, die schon bei Deutschen, Europa- und auch Weltmeisterschaften dabei waren. Auch Heute kann der SuS 09 Dinslaken wieder mit einer reichen Auswahl an jungen Talenten sowohl in Jugend mit Benjamin Gruhlke als auch im Schülerbereich u.a. mit Tobias Wangemann aufwarten. Vielleicht kommt von diesen jungen Athletinnen und Athleten mal eine oder ein ganz Großer heraus. Am 01. Mai 1973 wurde eine Volleyballabteilung ins Leben gerufen und ab 01.März 1980 wird auch Basketball beim SuS 09 gespielt.

Unter dem Motto „Ohne Stoppuhr und Tabellen“ kommt auch der Freizeitsport im Spiel- und Sportverein 09 nicht zu kurz. Gymnastik und Aerobic für Frauen, Sport für Jedermann, Kinderturnen, Kraftsport und Eltern-Kind-Turnen für die Kleinsten runden das reichhaltige Sportangebot ab. So ist für jeden der ca. 1500 Mitglieder sicherlich etwas dabei, um sich beim Sport und der Geselligkeit im SuS 09 Dinslaken wohl zu fühlen.

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